Warum gibt es so viele verschiedene buddhistische Traditionen?

Buddha hat eine große Vielfalt von Lehren gegeben, weil Lebewesen (d.h. jedes Wesen, das ein Bewusstsein/Geist besitzt einschließlich solcher, die sich in anderen Existenzbereichen befinden) jeweils ganz verschiedene Anlagen, Neigungen und Interessen haben.  So lehrte er auf verschiedene Weise, daraus entwickelten sich dann die Tradtionen/Schulen und er beschrieb die unterschiedlichsten Arten von Übungen, damit ein jeder von uns etwas Passendes für seinen jeweiligen Entwicklungsstand und seine Persönlichkeit finden möge.

Einfühlsam in der Führung von anderen Menschen, von Liebe und tiefem Mitgefühl erfüllt, hat Buddha das Rad des Dharma dreimal gedreht. Jedes Mal setzte er ein leicht abgewandeltes philosophisches System in Bewegung, passend zu unterschiedlich veranlagten Lebewesen. Die Kernbotschaft sämtlicher Unterweisungen ist dabei immer die gleiche: der Wunsch, Samsara – dem immer wiederkehrenden Kreislauf der Probleme – endgültig zu entkommen, Mitgefühl für andere zu entwickeln und die Weisheit der Selbstlosigkeit zu erlangen. Ethisches Verhalten, Mediation und tiefe Einsicht sind die wesentlichen Merkmale und Übung des spirituellen Weges.

Nicht jedem schmeckt das gleiche Essen. Wenn ein großes Buffet vor uns ausgebreitet wird, suchen wir natürlich die Gerichte aus, die uns gefallen. Es besteht keine Verpflichtung, alles zu mögen. Obwohl uns z.B. süße Sachen besonders gut schmecken, bedeutet das nicht, daß die salzigen Gerichte nicht gut sind und weggeworfen werden sollten. In der gleichen Art und Weise kann es sein, daß wir im Hinblick auf die Lehren eine besondere Herangehensweise bevorzugen: Theravada, Reines Land, Zen, Vajrayana, etc. Es steht uns frei, die Methode zu wählen, mit der wir uns am ehesten zurechtfinden, und die am besten zu uns passt. Dennoch sollten wir uns einen offenen Geist erhalten und die anderen Schulen und Traditionen respektieren. Im Verlauf der Entwicklung unseres Geistes lernen wir möglicherweise Elemente anderer Traditionen verstehen, die uns bis dahin unverständlich erschienen sind.

Kurz zusammengefaßt: was immer nützlich und uns dabei behilflich ist, ein besseres Leben zu führen, praktizieren wir; was wir noch nicht verstehen können, lassen wir beiseite, ohne es zu verwerfen. Sollten wir aber eine Tradition für die geeignete für unsere Persönlichkeit halten, wäre es dennoch falsch, sich einseitig und auf eine fixierte Art und Weise damit zu identifizieren: «Ich bin ein Mahayana-Buddhist, du ein Theravada-Buddhist», oder «Ich bin Buddhist, und du bist Christ». Es ist wichtig, nicht zu vergessen, dass wir alle Menschen sind, die nach dem Glück suchen und die Wahrheit erkennen möchten, und jeder von uns muss diejenige Methode finden, die seinen/ihren Veranlagungen entspricht.

Offen zu bleiben für die verschiedenen Ansätze bedeutet jedoch nicht, alles wahllos in einen Topf zu werfen und aus der eigenen Übung einen "Eintopf" zu machen. Es ist nicht hilfreich, unterschiedliche Meditationstechniken aus verschiedenen Traditionen während einer Meditationssitzung miteinander zu vermischen. Besser ist es in jeder Sitzung nur eine Technik anzuwenden. Wenn wir ein wenig von dieser Technik nehmen und ein wenig von jener, dabei für keine von beiden tiefes Verständnis entwickeln und sie miteinander vermischen, könnten wir am Ende durcheinander geraten. Trotzdem kann natürlich eine Unterweisung aus einer anderen Tradition unser Verständnis und die Praxis bereichern, die wir selber ausüben.

Außerdem ist es ratsam, vor allem zu Beginn, jeden Tag die gleiche Meditation zu üben. Wenn wir an einem Tag eine Atem-Meditation, am nächsten den Namen Buddhas rezitieren und am dritten Tag eine analytische Meditation machen, werden wir in keinem Bereich Fortschritte erzielen, weil die nötige Beharrlichkeit und Kontinuität in der Übung fehlt.

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